Frau Balve-Richard, können Sie uns kurz beschreiben, worum es sich bei DEIN WERKSTOFFTAG handelt?
Mit unserer Veranstaltung DEIN WERKSTOFFTAG wollen wir unserem Branchennachwuchs Zugang zu Innovationen ermöglichen und sie für unseren Beruf begeistern. Dafür haben wir zusammen mit vielen weiteren Maler- und Lackiererinnungen aus Westfalen das Event DEIN WERKSTOFFTAG ins Leben gerufen – und mittlerweile zum fünften Mal erfolgreich durchgeführt. Auf einer Fläche von 3.000 Quadratmetern konnten im vergangenen Jahr Auszubildende innovative Werkzeuge und Produkte von 23 Ausstellern kennenlernen sowie selbst praktisch anwenden. Zwei Fachvorträge, viele Informationsstände sowie eine Tombola rundeten das Programm ab.
DEIN WERKSTOFFTAG ist zur Nachwuchsbindung von Auszubildenden konzipiert. Wie zahlt die Veranstaltung darauf ein?
DEIN WERKSTOFFTAG wurde speziell dafür konzipiert, um unseren Auszubildenden zu zeigen, wie wichtig sie für die Zukunft unseres Handwerks sind. Durch dieses Event ermöglichen wir den Teilnehmern, einen Blick über den eigenen Horizont hinaus zu richten und ihnen neue Perspektiven auf ihre Ausbildung und den beruflichen Alltag zu bieten. In den Betrieben und während der Ausbildung gibt es oft Aspekte des Maler- und Lackiererhandwerks, die nicht umfassend vermittelt werden können. Unser Ziel ist es, genau diese Lücken zu schließen und den Auszubildenden zu zeigen, was in ihrer Ausbildung möglicherweise noch nicht aufgezeigt wurde. Gleichzeitig wollen wir ihnen durch diese Veranstaltung vermitteln, dass sie einen hohen Stellenwert für uns haben. Unser Tenor ist: „Ihr seid unsere Zukunft, und deshalb machen wir dieses Event nur für Euch!“.
Auch die Lehrerinnen und Lehrer, die eine zentrale Rolle in der Ausbildung spielen, wollen wir mit dieser Veranstaltung wertschätzen und ihnen zeigen, welche Vielfalt und Tiefe das Maler- und Lackiererhandwerk zu bieten hat. Dies trägt dazu bei, das Interesse und die Motivation sowohl der Auszubildenden als auch der Lehrkräfte zu stärken und somit die Bindung an das Handwerk nachhaltig zu optimieren.
Wie hat sich Ihr Konzept über die Jahre entwickelt?
Das erste Event fand bereits 2017 statt. Seitdem haben wir mit jeder Veranstaltung mehrere Schritte gemacht. Somit kann man sagen, dass wir uns stetig weiterentwickelt haben. Die Zahl der teilnehmenden Innungen hat von Jahr zu Jahr zugenommen, wir haben mehr Aussteller gewinnen können und die Abwicklung ist immer professioneller geworden. Mittlerweile wird das Event unter dem neuen Namen DEIN ZUKUNFTSTAG in drei Landesverbänden realisiert und erreicht jährlich über 2.000 Auszubildende und über 150 Lehrerinnen und Lehrer. Aber auch inhaltlich haben wir optimiert. In den letzten Jahren haben wir einen starken Fokus auf die Themen gesetzt, die die Azubis jetzt und auch in der Zukunft interessieren werden: Nachhaltigkeit, moderne Technik bspw. zur Entlastung bei der täglichen Arbeit und vieles mehr. Unsere Ideen kommen dabei aus dem Teilnehmenden-Kreis selbst, da wir vor und nach den Events im engen Austausch mit den Lehrerinnen und Lehrer sowie teilnehmenden Innungen sind, um zu erfahren, was die Azubis wirklich interessiert und weiterbringt.
Wie viele Auszubildende nehmen jährlich an Ihrem Nachwuchsevent teil?
Das hängt von der Region und der entsprechenden Location ab. Mittlerweile startet das Event an fünf unterschiedlichen Standorten und die Zahl der teilnehmenden Innungen schwankt zwischen 7 und 13. Dementsprechend sind dann auch die Zahlen der Azubis: zwischen 450 und 850 Azubis werden je nach Location zum Event eingeladen, verteilt auf 8 bis 15 Berufskollegs. Dazu ist noch zu sagen, dass nicht bei allen Events auch alle Lehrjahre mit vor Ort sind. In der Regel sind die zweiten und dritten Lehrjahre vor Ort.
Welche Eindrücke und Botschaften sollen die Auszubildenden nach der Veranstaltung mitnehmen?
Die zentrale Botschaft des Events ist: Ihr seid unsere Zukunft, Ihr seid uns wichtig, deshalb seid Ihr hier! Darüber hinaus möchten wir den berühmten Blick über den Tellerrand ermöglichen und insbesondere die Azubis, die vielleicht noch nicht wissen, wie vielfältig, innovativ und weitreichend das Malerhandwerk ist, mit dem was wir dort an Innovationen zeigen, begeistern. Im besten Fall nehmen die Auszubildenden mit, dass sie – sofern sie es noch nicht wissen oder wussten – in einem wahnsinnig spannenden Beruf ausgebildet werden, der mehr zu bieten hat als tapezieren, streichen und lackieren.
Welche Rolle spielen Innovationen und neue Techniken, um junge Menschen im Maler- und Lackiererberuf zu halten?
Aus unserer Sicht spielen diese eine große Rolle, leider findet dieser spannende Part für die Auszubildenden in den Betrieben aus unterschiedlichsten Gründen nicht immer statt. Fürs Ausprobieren bleibt im Tagesgeschäft des Betriebes oftmals schlichtweg keine Zeit, daher sind gerade solche Formate, wie der ZUKUNFTSTAG sehr wichtig, um aufzuzeigen, was es alles gibt. Die Begeisterung der Azubis vor Ort ist bei den Ausstellern, die wirkliche Innovationen zeigen, geradezu greifbar.
Welche Innovationen begeistern die Auszubildenden bei den Veranstaltungen am meisten?
Das ist – so wie die Azubis selbst – sehr vielfältig und lässt sich gar nicht so wirklich auf wenige Themen beschränken. Werkzeug- und Technikthemen sind ebenso stark frequentiert, wie besondere Kreativtechniken oder Tools zur Digitalisierung. Natürlich sind Exoskelette oder unsere virtuelle Spritzkabine kleine Highlights, aber wir können festhalten, dass sich am Tag des Events an allen Ständen enorm interessierte Azubis informieren.
Wie profitieren Ihre Handels- und Industriepartner vom Austausch mit den Auszubildenden?
Die Industriepartner sind tatsächlich sehr begeistert von dem Austausch mit den Azubis. Auch sie gewinnen an diesem Tag, nämlich spannende Eindrücke und können sicherlich an der einen oder anderen Stelle auch mit vermeintlichen Vorurteilen aufräumen. Denn eines ist klar: die Auszubildenden sind unfassbar neugierig und wollen genau wissen, wie die Techniken und Tools funktionieren.
Die Auszubildenden erwartet bei der Veranstaltung ein umfangreiches Programm – zudem sind Handels- und Industriepartner eingebunden. Welche Herausforderungen gibt es bei der Organisation des Events und wie meistern Sie diese?
Wir meistern diese Aufgabe mit unserer Agentur DIE COPILOTEN aus Köln, die mit einer wahnsinns Leidenschaft an die Sache ran gehen. Wichtig ist es, früh genug anzufangen zu planen. Wir benötigen die Hilfe der Lehrerinnen und Lehrer, der Berufsschulen und jeweils ein bis zwei Kollegen aus den jeweiligen Innungen als Ansprechpartner, um die Details abzustimmen. Wenn die Basisinfos vorliegen und die Innungen sich zur Teilnahme ausgesprochen haben, startet der Orga-Prozess, der schon sehr umfangreich ist. Mit jeder Schule findet ein eigener Videocall statt, damit die Lehrerinnen und Lehrer alle Fragen stellen und sich einen wirklich umfassenden Eindruck von dem Event verschaffen können. Denn nur wenn wir die Lehrerinnen und Lehrer mitnehmen, wird ein Schuh daraus. Für die Schulen und die Innungen wird dabei stark darauf geachtet, dass diese möglichst keinen Aufwand mit dem Event haben.
Was würden Sie anderen Innungen empfehlen, die ein ähnliches Event planen möchten?
Allein ist so ein Event nicht zu stemmen, daher ist der erste Weg sich mit mehreren Innungen zusammenzuschließen. Dann empfehlen wir, den Landesverband mit ins Boot zu holen und bereits an dieser Stelle auch einen professionellen Partner, der sich um die vielen tausend Handgriffe kümmert, die nach der Entscheidung für so ein Event zu tun sind.
Vielen Dank Frau Balve-Richard für diese spannenden Einblicke!

