Schluss mit Symbolpolitik auf Kosten des Handwerks

Appell an die Politik: Krankmeldungen praxisgerecht gestalten und die Karenzzeit verkürzen statt verlängern.

Nach Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) mussten Arbeitgeber 2024 ca. 82 Mrd. Euro für ihre erkrankten Beschäftigten aufwenden - rund 69,1 Mrd. Euro für Entgeltfortzahlung und 13 Mrd. Euro für Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung (ohne Mutterschutz). In drei Jahren stiegen die Kosten um 10 Mrd. Euro und seit 2010 um etwa das 2,2-Fache. Zur Entlastung des Gesundheitswesen schlug Andreas Gassen (Kassenärztliche Bundesvereinigung, KBV) im Oktober 2025 vor,

  • die Ausnahmeregelung zu streichen, dass Arbeitgeber ab dem ersten Tag der Krankmeldung ein Attest verlangen können (§ 5 Abs. 1, Satz 3 Entgeltfortzahlungsgesetz) und
  • dass Arbeitnehmer erst ab einer Krankheitsdauer von vier oder fünf Tagen ein Attest vorlegen müssen (bisher drei Tage).

Er begründete dies mit "Abertausenden“ unnötigen Arztbesuchen und Millionen von Krankschreibungen, wobei ein Drittel nur für maximal drei Tage gelte.

Für unsere beiden Branchen geht diese „Lösung" zulasten unserer Betriebe und des Handwerks generell. Sie trägt nicht zur Stabilisierung unseres Solidarsystems und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit unseres Landes bei, sondern bedeutet das Gegenteil: Zusätzlich zu der auf uns abgewälzten Organisation und finanziellen Last werden wir mit ungerechtfertigten, steigenden Fehlzeiten ohne jeden Nachweis konfrontiert. Außerdem gefährdet der (zusätzliche) Personalmangel die Auftragsdurchführung – für Klein- und Kleinstbetriebe kann das existenziell sein.

Zwar gibt es aktuell keine konkrete Debatte oder Gesetzesvorlage zum Thema. Aber der Vorschlag stieß in den Regierungsreihen auf Widerstand. Auch der Wirtschaftsausschuss sagt deutlich „Nein“ zu diesem Vorschlag und bringt einen bewährten und pragmatischen Vorschlag ein:

Anrechnung von bis zu 5 Fehltagen im Jahr auf den Jahresurlaub, wenn der Mitarbeiter kein ärztliches Attest vorlegt bzw. den Arbeitgeber nicht informiert.

Es wird an unsere Obermeister appelliert, den Vorschlag in die politische Debatte einzubringen (per Brief und/oder Flyer). Es werden keine Schnellschüsse gebraucht, die das Problem nur verschieben, sondern ausgewogene Reformen, die Wirtschaft und Gesundheitssystem gleichermaßen im Blick haben.

Wer als Unternehmer selbst an seine Abgeordneten vor Ort appellieren möchte, kann das Schreiben im Wordformat mit den entsprechenden Mail-Adressen der Abgeordneten des Wahlkreises hier anfordern.