Nach der Ausbildung: Deine Karriere im Fahrzeuglackierer-Handwerk

Wenn du deine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer erfolgreich abgeschlossen hast, dann hast du als Geselle bzw. Gesellin verschiedene Möglichkeiten dich beruflich weiterzuentwickeln.

Hinweis: Zugunsten der besseren Lesbarkeit haben wir überall die männliche Form verwendet. Gemeint sind natürlich alle Menschen und Geschlechter.

Aufstiegs-Bafög

Für viele Weiterbildungen kannst du Aufstiegs-Bafög beantragen. Damit werden Berufsabschlüsse wie der Meister gefördert, die oberhalb deines Gesellenabschlusses liegen. Mit dem Aufstiegs-Bafög erhältst du einkommens- und vermögensunabhängig einen Beitrag zu den Lehrgangs- und Prüfungsgebühren sowie den Kosten für dein Meisterstück. Wenn du deine Weiterbildung in Vollzeit absolvierst, kann zusätzlich ein Beitrag zum Lebensunterhalt gezahlt werden. Die Förderung besteht zu einem Teil aus einem Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss und zum anderen aus einem zinsfreien Darlehen.

Meister

Zugangsvoraussetzung für die Fortbildung zum Meister ist dein Gesellenabschluss. Berufserfahrung als Geselle ist für den Besuch der Meisterschule nicht mehr notwendig, du kannst also, wenn du möchtest, direkt einen Meistervorbereitungskurs belegen. Oder du arbeitest erst eine gewisse Zeit als Geselle und entscheidest dich dann den Meister mit deiner erlangten Berufserfahrung/Arbeitserfahrung anzugehen. Die meisten erfahrenen Betriebsinhaber empfehlen einige Jahre als Geselle zu arbeiten, bevor man die Meisterschule besucht.

Die Fortbildung zum Meister kann unter anderem an den Fach- und Meisterschulen in Berlin, Fulda, Hamburg, Hildesheim, Lahr, München und Stuttgart, absolviert werden. Außerdem bieten zahlreiche Handwerkskammern Meistervorbereitungskurse an. Gut zu wissen: Einige Handwerkskammern wie z. B. die HWK Frankfurt-Rhein-Main, die HWK Südwestfalen oder die HWK Niederbayern-Oberpfalz bieten die Meistervorbereitung speziell für die Fachrichtung Fahrzeuglackierung an.

Du kannst außerdem entscheiden, ob du den Meister in Vollzeit (1 Jahr) oder nebenberuflich in Teilzeit (2 Jahre) absolvieren möchtest. Der Besuch einer Meisterschule ist nicht verpflichtend, aber empfehlenswert, um die Meisterprüfung erfolgreich zu absolvieren.

Nach dem Meisterkurs steht die Meisterprüfung an. Diese unterteilt sich in zwei fachspezifische Teile (Teil 1 und 2) und zwei allgemeine Teile (Teil 3 und 4). Teil 1 deckt die Fachpraxis und Teil 2 die Fachtheorie im Maler- und Lackiererhandwerk ab. Teil 3 behandelt die Themen Betriebswirtschaft und Recht und Teil 4 qualifiziert dich mit dem Thema Arbeitspädagogik für die Tätigkeit als Ausbilder.

Der Meistertitel eröffnet dir zahlreiche Möglichkeiten. Du bist damit berechtigt selbständig einen Betrieb zu führen und Gesellen auszubilden. Das heißt du kannst zum Beispiel einen Betrieb übernehmen oder selbst gründen und damit Betriebsinhaber sein. Du kannst aber auch als angestellter Meister arbeiten.

Der Meistertitel ist einem Bachelorabschluss gleichgestellt, womit du den Titel Bachelor Professional führen darfst. Zusätzlich erlangst du mit dem Meister die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung und kannst damit jedes Bachelorstudium deiner Wahl an einer Hochschule oder Universität absolvieren.

Staatlich geprüfter Techniker

Die Ausbildung zum Staatlich geprüften Techniker wird an den Staatlichen Fachschulen Farbe und Gestaltung angeboten. Im Gegensatz zum Meister berechtigt der Abschluss als Techniker allein nicht dazu einen Betrieb zu gründen bzw. zu führen oder auszubilden. Deshalb bieten die Fachschulen die Ausbildung zum Techniker als kombinierte Weiterbildungsgänge an, die zusätzlich zur Ausbildung zum Techniker auch alle relevanten Inhalte der Meisterausbildung abdecken. Ein Pluspunkt des Technikers besteht darin, dass aufgrund der stärker technischen Ausrichtung zusätzliche Karrieremöglichkeiten in der Lackindustrie bestehen.

Geprüfter Betriebswirt (HwO)

Beim Betriebswirt handelt es sich um ein gewerkübergreifendes Fortbildungsangebot, d. h. hier werden Handwerker aus den verschiedenen Gewerken gemeinsam unterrichtet. Zugangsvoraussetzung ist der Meistertitel oder eine andere Fortbildung im technischen oder kaufmännischen Bereich. Eine abgeschlossene Berufsausbildung alleine ist nicht ausreichend. Das Ziel der Fortbildung besteht darin, dass handwerklich ausgebildete Personen sich für eine erfolgreiche Betriebsführung qualifizieren. Deshalb stehen kaufmännische und betriebswirtschaftliche Themen im Mittelpunkt. Angeboten wird die Fortbildung zum Betriebswirt von den Handwerkskammern, die nach einem bundesweit einheitlichen Lehrplan unterrichten. Informiere dich am besten bei der Handwerkskammer in deiner Nähe.

Sachverständiger

Eine weitere spezialisierte und anspruchsvolle Fortbildung ist die zum öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Voraussetzung ist der Meistertitel. Als Sachverständiger wird man eingesetzt, wenn es zu Streitigkeiten über geleistete Arbeit kommt. Gibt es zum Beispiel Probleme bei der Lackierung eines Fahrzeugs, über die sich der Fahrzeuglackierer und der Kunde streiten, dann ist es die Aufgabe des Sachverständigen als neutrale Instanz die Ursache herauszufinden. Besonders in Gerichtsprozessen spielen die Gutachten der Sachverständigen eine wichtige Rolle für die Entscheidung des Gerichts. Die Prüfung erfolgt durch die Handwerkskammern. Die Vereidigung als Sachverständiger durch die Handwerkskammer erfolgt spezifisch für das jeweilige Gewerk, wie z. B. bei Fahrzeuglackierern das Maler- und Lackiererhandwerk.

Staatlich geprüfter Techniker für Korrosionsschutztechnik

Mit einem Berufsschulabschluss im Fahrzeuglackierer-Handwerk ist auch eine Spezialisierung im Bereich Korrosionsschutztechnik möglich. Hier liegt der inhaltliche Fokus darauf, Metall- und Betonstrukturen vor Korrosion zu schützen. Der Abschluss kann ggf. ganz oder teilweise auf die Meisterprüfung angerechnet werden.

Beschichtungsinspektor

Die Weiterbildung zum Beschichtungsinspektor ist eine anspruchsvolle international anerkannte Qualifikation im Bereich Korrosionsschutztechnik. Damit erhält man die Befähigung, Korrosionsschutzmaßnahmen zu planen, auszuführen und zu beurteilen und ist so für Führungs- und Aufsichtspositionen im Korrosionsschutz geeignet. Für diesen Abschluss gibt es zwei internationale Standards, die auch in Deutschland angeboten werden: den DIN-Geprüften Beschichtungsinspektor und den FROSIO Beschichtungsinspektor.

Schadenmanager

Das Management und die Abwicklung von Schäden ist eine tägliche Herausforderung in K&L-Betrieben. Deshalb gibt es die Möglichkeit, sich in diesem Bereich aktiv weiterzubilden. Die Qualifizierung zum Geprüften Kraftfahrzeugschadensmanager oder derWeiterbildungslehrgang Unfallschadenmanager (USM)vermitteln weitergehende Kenntnisse in der Schadenskalkulation und im Auftrags- und Kundenmanagement sowie die Besonderheiten des Schadens- und Versicherungsrechts. Zusätzlich werden Grundkenntnisse in der Karosserietechnik vermittelt.

Ausübungsberechtigung für Karosserieinstandsetzungsarbeiten (§ 7a HwO)

Als Fahrzeuglackierer-Meister muss die Arbeit nicht auf das Lackieren von Fahrzeugen beschränkt sein. Wenn meisterähnliche Kenntnisse und Fertigkeiten in einem anderen zulassungspflichtigen Handwerk, wie dem Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerk, nachgewiesen werden, besteht die Möglichkeit, dafür eine Ausübungsberechtigung zu beantragen (nach § 7a HwO). Der Nachweis kann durch die Teilnahme an einem Sachkundelehrgang für Karosserieinstandsetzungen erbracht werden.

Mit der Ausübungsberechtigung für das Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerk (Teiltätigkeit Karosserieinstandsetzung) können Karosserieinstandsetzungsarbeiten durchgeführt werden, was im Betriebsalltag sehr nützlich sein kann.

Wichtig zu beachten ist hierbei, dass dies nicht zur Ausbildung von Karosserie- und Fahrzeugbauern berechtigt. Das ist den Meistern im Karosserie- und Fahrzeugbau vorbehalten.

Studium mit Berufsabschluss

Der Meister ermöglicht den allgemeinen Hochschulzugang. Als Geselle erhält man einen fachgebundenen Hochschulzugang, wenn man über drei Jahre Berufserfahrung hat und ein Eignungsfeststellungsverfahren der Hochschule erfolgreich absolviert.

Also ist es möglich mit einem Gesellen- oder Meisterabschluss zu studieren. Wenn man einen eigenen Betrieb führen und sich dafür noch weiter vorbereiten möchte, wäre zum Beispiel Betriebswirtschaftslehre (BWL) eine Möglichkeit. Es gibt aber auch verschiedene Möglichkeiten gestalterische Studiengänge auszuwählen oder ein Lehramtsstudium für die Berufsschule zu absolvieren.

Mögliche Studiengänge sind z. B.:

  • Chemieingenieurwesen (B.A. / M.A.) (wählbarer Schwerpunkt Lackingenieurwesen)
  • Chemieingenieurwesen / Farbe und Lack (B.Sc.)
  • Angewandte Oberflächen- und Materialwissenschaften (M.Sc.)
  • Gestaltung (B.A. / M.A.)
  • Produkt- und Objektdesign (B.A.)
  • Design (M.A.)